Schalldämpfer, Stadtschweine, jagen für den Wald

Die Blätter treiben aus, die Vögel zwitschern und die Böcke fegen – es wird Frühling. Kurz vor dem Start der österlichen Jagdsaison möchten wir Sie noch eben mit einigen Neuigkeiten vertraut machen.

  • Bereits Ende März hat das Innenministerium in Mecklenburg-Vorpommern per Erlass allgemein den Schalldämpfer für die Jagd freigegeben. Die Regelung ist unabhängig von einer eventuellen Vorschädigung des Gehörs. In Mecklenburg-Vorpommern fällt der Schalldämpfer nicht unter die sachlichen Verbote des Jagdgesetz.
  • Ganz anders entschied letzte Woche in Sachen Schalldämpfer das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Es sieht kein allgemeines Bedürfnis für Jäger bei der Jagdausübung. Die vollständige Urteilsbegründung liegt noch nicht vor, die ersten Informationen sind aber bereits haarsträubend. So werde die Verwendung von Schalldämpfern zur Jagd „kontrovers beurteilt und sei bis heute in den Landesjagdgesetzen verschiedener Bundesländer sogar ausdrücklich verboten“. Damit lebt das Gericht noch in der Vergangenheit. Die Stimmen gegen den Schalldämpfer haben sich seit Jahren gelegt, wohl wissend, dass sie lediglich auf Vorurteilen und Agentenfilmen beruhten. Auch der DJV sprach sich bereits 2013 einheitlich für den Schalldämpfer aus. Bei aktuellen Jagdrechtsnovellen wie in Thüringen wird das Thema Schalldämpfer bereits nüchtern ad acta gelegt.
  • Entgegen der Erwartungen ernährt sich das Schwarzwild in Großstädten wie Berlin nur zu geringen Anteilen von Müll und Abfällen, sondern ganz überwiegend von natürlichen Ressourcen. Zu diesem Ergebnis kam das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung bei der Auswertung des Mageninhalts von rund 250 erlegten Wildschweinen. In nur vier Fällen konnten Wurstbrot oder Plastikteile nachgewiesen werden.
  • Der ÖJV Bayern hat ein zweites Video auf YouTube veröffentlicht. Diesmal lautet das Thema „Jagen für den Wald“:

Brandenburg: Der Schalldämpfer kommt

Nach Informationen der Märkischen Allgemeinen bereitet das brandenburger Innenministerium einen Erlass vor, dass privaten Jägern auf Antrag ein Schalldämpfer für die Ausübung der Jagd zu genehmigen ist.

Brandenburg ist damit nach Bayern das zweite Bundesland, das eine generelle Genehmigung des Schalldämpfers eröffnet.


Artikel in der Märkischen Allgemeinen

Bayern: Ministerium bittet um positive Bescheidung für Anträge auf Schalldämpfer

In Bayern hat die Vernunft gesiegt. Die eigene Gesundheit hat Vorrang vor alten und falschen Vorurteilen. Aus einem Schreiben des Ministeriums an die Jagdbehörden vom 7. August geht die Bitte hervor, Anträge auf Zulassung des Schalldämpfers bei der Jagdausübung positiv zu verbescheiden. Dabei beruft man sich auf das Gutachten des BKA. Grundlage dafür ist § 29, Absatz 3, wonach die Behörden Ausnahmen von den Sachlichen Verboten erteilen dürfen.

Ein Lichtblick? Auch das sächsische Landesjagdgesetz beinhaltet  in § 18, Absatz 2 eine solche Ausnahmeregelung.

Links: Dr. Neitzel | Schreiben des Ministeriums an die Behörden

2015: Initiative Schalldämpfer

Innerhalb der letzten Jahre avancierte bereits der aktive Kapselgehörschutz zu einem allgemeinen Ausrüstungsgegenstand auf Einzelansitz und Drückjagd. Wir wollen einen Schritt weiter gehen und setzen uns für einen generellen Einsatz des Schalldämpfers auf der Jagd ein. Einerseits verhindern viele Vorurteile seine Wertschätzung, andererseits sind seine vielen anderen Vorteile noch nicht allgemein bekannt.

Unbenannt

Zum Einstieg in die Initiative Schalldämpfer starten wir mit einem Video von „Wissen vor Acht“. Es erklärt die Funktionsweise und räumt gleichzeitig mit dem am weitesten verbreiteten Vorurteil auf: Es knallt immer noch. Ein lautloses ‚Plopp‘ gibt es nur bei James Bond! Die Schallspitzen an der Mündung eines großkalibrigen Jagdgewehres erreichen übrigens mehr als 150 dbA.

Präzedenzfall in Badem-Württemberg: Genehmigung für Schalldämpfer stattgegeben

Gute Nachricht erreicht uns heute von der Seite des ÖJV Bundesverbands: Erstmals wurde der Klage zur Genehmigung eines Schalldämpfers stattgegeben. Entscheidend dafür war nicht, dass der Kläger von Berufs wegen zur Jagd verpflichtet ist, sondern die allgemeine Handlungsfreiheit (§2. Grundgesetz), die es ermöglichen muss, dass eigene Gehör zu schützen.

Mehr zum Thema erfahren Sie auf der Seite des ÖJV
Hier geht es zur Urteilsbegründung

Wir begrüßen diese Entscheidung. Auch der ÖJV Sachsen setzt sich für die Legalisierung des Schalldämpfers zur Jagd und damit für die Abschaffung des entsprechenden Verbotes nach §18 (1) Nr. 3 des Sächsischen Jagdgesetzes ein.