Presseschau: Chihuahua in Hornbostel wurde nicht von Wölfen gerissen

Der Wolf bleibt ein heikles Thema. Im schwierigen Spagat zwischen Befürwortern und Gegnern, zwischen Erholungssuchenden, Jägern und Nutztierhalten, schickt es sich an einen kühlen Kopf zu bewahren und Vorfälle nüchtern – sowie vor allem objektiv – zu betrachten.

Einen klaren Fall wie man es nicht macht, zeigt die „Bild“ und erneut die Zeitschrift „Jäger“, die für ihre hirnrissigen Hetzkampagnen gegenüber Wölfen bereits bekannt ist. In Hornbostel wurde der Chihuahua eines Spaziergängers von drei großen wolfsähnlichen Hunden verschleppt und getötet. Obwohl bekannt war, dass sich in der Nähe auch eine Zuchtstätte von Wolfshunden befindet und eine finale Untersuchung noch ausstand, war sich die Presse bereits einig:

Hetzerische Schlagzeile, die keinen Zweifel an der Überführung des Täters lässt, ein Bild des traurigen Herrchens sowie ein zähnefletschender Wolf - Fertig ist die Hetzkampagne

„Journalismus“ der Bildzeitung: Hetzerische Schlagzeile, die keinen Zweifel an der Überführung des Täters lässt, ein Bild des traurigen Herrchens sowie ein zähnefletschender Wolf – Fertig ist die Hetzkampagne. (Verpixelung durch den ÖJV)

Auch der „Jäger“ lässt ohne Zweifel verkünden:

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Ohne Frage, der Wolf ist ein Raubtier und wird gelegentlich Nutztiere reissen. Der Mensch muss das Zusammenleben mit dem neuen Nachbarn erst wieder erlernen und sich anpassen. Zweifellos werden dafür auch Managementpläne benötigt, wobei sich viele Bundesländer noch überfordert sehen. Viele Jagdverbände nutzen darum die öffentliche Aufregung in den Medien über vermeintliche Risse aus und fordern Abschussfreigaben, wie jüngst der LJV Brandenburg.

Jedoch, die DNA-Analyse zeigte: es war kein Wolf. So berichtete gestern die Cellesche Zeitung. Ob das Untersuchungsergebnis jedoch ebenfalls auf den Titelseiten der Bild und beim Jäger erscheint, darf stark bezweifelt werden. Hornbostel ist kein Einzelfall. Erst kürzlich stand der Wolf in Verdacht ein Fohlen bei Bispingen gerissen zu haben. Die DNA-Analyse zeigte später: Es war kein Wolf.

Einer sachlichen Diskussion über den Umgang mit dem Raubtier kommt man so jedenfalls nicht näher.


Update (17. August): Das Magazin „Jäger“ hat das Ergebnis der DNA-Analyse doch aufgegriffen und berichtet davon auf der Homepage. Wollte man zuerst nichts von einer Unschuldsvermutung wissen, besinnt man sich jetzt doch darauf, Konjuntive zu verwenden. Oder wie soll man sonst diese Schlagzeile interpretieren:

Ein zähnefletschender Wolf, viele Fragezeichen und Konjunktive. Diesmal allerdings geht es um die DNA-Analyse, die den Wolf als Schuldigen ausschließt.

Wir lernen: ist irgendwo ein Tier gerissen worden, wird es dem Wolf in die Schuhe geschoben. Widerlegt die DNA-Analyse diese Hypothese, zweifeln wir das Ergebnis an. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, das ist eine schmutzige Hetzkampagne.