Initiative Schalldämpfer

Das Gehör gehört zu den Organen des menschlichen Körpers, die sich nicht selbst regenerieren können. Werden die feinen Sinneshärchen im Gehörgang beispielsweise durch hohe Schalldruckpegel geschädigt, ist ihre Funktion verloren. Durch zu laute Musik, Motorenlärm auf Baustellen und im Verkehr verlieren wir also jeweils einen kleinen Teil unserer Hörfähigkeit. Da sich die Sinneshärchen für hohe Töne gleich am Eingang der Hörschnecke befinden und damit häufig zuerst in Mittleidenschaft gezogen werden, können wir mit zunehmenden Alter vor allem hohe Töne nicht mehr wahrnehmen. Auf den ersten Blick sind wir auf der Jagd in Wald und Feld fern dieser schädlichen Einflüsse. Die idyllische Vorstellung von stressbefreiter Natur ist nicht zuletzt einer der Gründe, der uns Jäger auf die Pirsch treibt. Doch bringen wir unsere Lärmquelle selbst mit, in Form des Gewehres.

Der Schussknall einer Jagdwaffe dauert zwar nur kurz an, erreicht aber im Umkreis von 30 m um die Mündung einen Schalldruckpegel von bis zu 160 dB. Bereits ab 137 dB ist von einer  dauerhaften  Schädigung des Gehörs auszugehen. Deshalb ist der Gewehrknall  eine Gefahr für Jäger und Jagdhelfer. Betroffene kennen die unmittelbaren Folgen meist in Form eines mehr oder minder lang andauernden ‚Pfeifens‘ auf den Ohren – dem Knalltrauma.

Aktiver Kapselgehörschutz

Auf dem Schießstand ist darum die Verwendung eines Kapselgehörschutzes seit langer Zeit Pflicht. Auch auf der Jagd finden in den letzten Jahren aktive Gehörschützer, das sind Gehörschützer mit eingebautem Mikrophon, die leise Geräusche verstärken und nur den Knall herausfiltern, vermehrt Einsatz. Sie haben allerdings erhebliche Nachteile. So verursacht das stundenlange Tragen bei vielen Jägern Kopfschmerzen und beim Pirschen im unwegsamen Gelände wird er uns von Ästen vom Kopf gestoßen. Bei Regen oder Wind versagt das Mikrophon den Dienst und auf Treibjagden sind sie aufgrund mangelndem ‚Richtungshören‘ häufig unbrauchbar. Hinzu kommt, dass der Kapselgehörschutz oft gar nicht seine deklarierte Dämpfung erreicht. Bei Brillenträgern auf Grund der Brillenbügel oder durch das Tragen einer Kopfbedeckung wird das Ohr nicht ausreichend umschlossen und es kommt zu ‚Knallbrücken‘, die das Gehör dennoch in Mitleidenschaft ziehen.

Rechtlicher Rahmen

Die möglichen Schutzmaßnahmen gegen Lärm sind rechtlich eindeutig nach dem TOP-Prinzip geregelt (§7 und §8 der LärmVibrationsArbSchV). Das heißt: der Knall ist zuerst an seinem Entstehungsort zu reduzieren. Technische Maßnahmen dafür haben Vorrang gegenüber organisatorischen und diese wiederum gegenüber persönlicher Schutzausrüstung. Der Kapselgehörschutz als persönliche Schutzausrüstung steht dem Gesetz nach also eigentlich an letzter Stelle. Organisatorische Maßnahmen würden bedeuten, Gewehr und Jäger räumlich oder zeitlich voneinander zu trennen – das ist auf der Jagd unmöglich. Es bleibt das primäre technische Hilfsmittel: der Schalldämpfer.

Schalldämpfer – Funktion und Tierschutz

Der Schalldämpfer ist technisch nicht viel mehr als ein Rohr mit vielen Scheiben oder Federn, das auf die Mündung der Waffe geschraubt wird. Er sorgt dafür, dass die Explosionsgase gebrochen und damit verlangsamt werden bevor sie die Mündung erreichen. Dies wiederum reduziert den Mündungsknall erheblich. Damit könnten alle an der Jagd Beteiligten effektiv und ohne Nachteile geschützt werden.

Schalldämpfer bieten aber noch weitere Vorteile. Durch die Verlangsamung der Gase wird ähnlich wie bei einer Mündungsbremse das Mündungsfeuer eliminiert. In der Dämmerung oder während der Sauenjagd bei Mondschein kann damit das Abkommen, die Reaktion und eventuelle Fluchtrichtung des beschossenen Stückes besser erkannt werden – die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Nachsuche oder im schlimmsten Fall der baldigen Erlösung der Kreatur erhöhen sich enorm. Durch weniger Gasverwirbelungen an der Mündung erhöht sich zudem die Präzision der Waffe bei ansonsten gleichbleibender Trefferpunktlage und Reduktion des Rückstoßes. Der Schalldämpfer ist also gleichzeitig ein Gewinn für den Tierschutz und die Weidgerechtigkeit.

Mythen um den Schalldämpfer

Häufig wird unterstellt, dass der Schalldämpfer zur Verschleierung von Straftaten eingesetzt wird und damit ein klassisches Werkzeug von Wilderern ist. Dieser Vorwurf entbehrt jedoch jeder Grundlage und wird vor allem aus Agentenfilmen gespeist. Der Mündungsknall von jagdtauglichen Büchsen wird nicht eliminiert, sondern auf das gesetzlich maximal erlaubte Maß von 137 dB reduziert. Das Gewehr ist also nach wie vor laut und weithin hörbar – nur eben nicht mehr so laut, dass es das Gehör nachhaltig schädigt.

Resümee

Der Schalldämpfer ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung für die persönliche Gesundheit auf der Jagd. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Bundeskriminalamt im Jahre 2013 auf Anfrage des Bayerischen Innenministeriums (AZ IE4-2132.18-38). In einigen Europäischen Ländern ist er darum bereits frei verkäuflich oder wird auf Antrag genehmigt. Wir meinen, dass die Wertschätzung des Gehörs und damit der Gesundheit eines Jägers unabhängig von dessen Herkunft oder Berufsstand erfolgen muss. In Sachsen ist die Verwendung des Schalldämpfers jedoch nach wie vor generell verboten.

Momentan hat auch in Deutschland ein Umdenken eingesetzt. Innerhalb eines Jahres haben die Bundesländer Bayern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg per ministeriellen Erlass die Erteilung des Schalldämpfers auf Antrag in die Wege geleitet.

Der ÖJV Sachsen fordert vor diesem Hintergrund den allgemein gültigen Einsatz von Schalldämpfern zu jagdlichen Zwecken. Voraussetzung dafür ist, dass das entsprechende Verbot nach § 18 (1) Nr. 3 des Sächsischen Jagdgesetzes abgeschafft wird. Bis dahin sollen generell Ausnahmegenehmigungen nach §18 (2) Sächsisches Jagdgesetz von der oberen Jagdbehörde auf Antrag erteilt werden. 


Wie ein Schalldämpfer funktioniert erklärt uns Wissen vor Acht anhand einer (deutlich leiseren) Schreckschusspistole: