Presseschau: „Pumpak“, Bayerischer Wald

Die Berichterstattung um den bei Görlitz zur Entnahme freigegebenen Wolf kommt nicht zur Ruhe und bewegt sich inzwischen auf bundesweitem Niveau:

Die in den Berichten erwähnte Petition zum Erhalt des Wolfsrüden verzeichnet inzwischen mehr als 75.000 Zeichner. Dieser Wert allein ist ein Indikator für das hoch emotional geladene Level, auf dem die Debatte derzeit geführt wird.

Entsprechend bemängelt Ulrich Wotschikowsky, der sich sonst allgemein gegen langwierige Fang- und Vergrämungsmaßnahmen ausspricht, dass Landratsamt und Ministerium in dieser Angelegenheit zuvor die Expertise des Büro Lupus  und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hätten einholen sollen. Beide Einrichtungen befinden sich noch dazu unmittelbar im selben Landkreis. Den Lesenswerten Kommentar des Wolfsexperten finden sie hier: www.woelfeindeutschland.de.

Zum Abschluss noch eine erfreulichere Nachricht: Der Wolf wurde im Bayerischen Wald bestätigt.

Presseschau: Problemwölfe in Görlitz und Rathenow, Fangschuss und Notstand, Wölfe in der Schweiz

Die heutige Presseschau steht ganz im Zeichen des Wolfes:

  • Mit Zunahme der Population steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Jäger zu angefahrenen und schwer verletzten Wölfen gerufen werden oder ein Jagdhund mit einem Wolf aneinandergerät. Dietrich Meyer-Ravenstein hat diese Fälle rechtlich unter die Lupe genommen und gibt Hinweise zum korrekten Verhalten auf der Seite des LJV Rheinland-Pfalz.
  • Der Landkreis Görlitz und das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft haben diese Woche beschlossen, dass ein zweijähriger Wolfsrüde aus dem Ruszow-Rudel entnommen werden soll. Der Wolf war mehrfach in der Nähe von Siedlungen aufgetaucht und zeigte keine Scheu vor Menschen. Es ist bekannt, dass er als Welpe von Menschen angefüttert wurde.
  • Der NABU kritisiert die Entscheidung des Ministeriums, den Wolf aus dem Ruszow-Rudel zu entnehmen. Nach Einschätzung des Naturschutzverbandes würden die Möglichkeiten der Besenderung und Vergrämung nicht in Erwägung gezogen. Zu diesen Möglichkeiten widerspricht Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky in einem ähnlichen Falle nahe Rathenow. Nach seiner Überzeugung sollte auf umständliche Vergrämungsversuche mit Einfangen und Besendern verzichtet werden, da sie in der Mehrheit der Fälle fehlschlagen.
  • Die Schweiz erlebt derzeit eine ähnliche Entwicklung wie der Freistaat Sachsen: der Wolf kehrt zurück, gleichzeitig flammen Konflikte mit Nutztierhaltern auf. Die Dokumentation „Die vielen Wölfe in der Schweiz“ zeigte 2012 mit Eindrucksvollen Bilden die Situation vor Ort und versucht zwischen den Standpunkten der Bauern und Jägerschaften sowie des Artenschutzes zu vermitteln. Die Sendung wird morgen 20:15 auf 3sat wiederholt und ist anschließend über die Mediathek einsehbar.

Schweizer Schutzwald durch Wolf gesünder

Diesen Zusammenhang haben die Schweizer im Rahmen der Verbissgutachten festgestellt. Insbesondere die Weißtanne (‚Wiisdanne‘) verjüngt sich bei Anwesenheit des Wolfes deutlich besser. Zugegeben, wir haben nicht alles genau verstanden, sehenswert ist der Beitrag im Schweizer Fernsehen dennoch.

schutzwald

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Link: Wolf hilft dem Wald (SRF)

Veranstaltungstipp: Podiumsdiskussion zum Thema Wölfe in Magdeburg

Die Ausstellung „Wölfe“ des Senckenberg Museums für Naturkunde residiert noch bis Mitte Januar im Naturkundemuseum in Magdeburg. Am 19. November lohnt sich der Besuch aber gleich doppelt: ab 17:30 Uhr werden im Rahmen einer Podiumsdiskussion verschiedene Referenten (unter anderem Prof. Dr. Peter Schmiedtchen) zu hören sein.

WolfPodiumLinks: Veranstaltungsflyer

„Der Wolf tut den heimischen Wildbeständen gut“

Horst Schulze, Jäger und Wolfsbeauftragter bei den Bundesforsten Altmark, kommentiert einen Leserbrief zum Thema Wolf in der Volksstimme. Der Leser hatte den Abschuss des Wolfes gefordert. Forderungen dieser Art von Seiten der Jägerschaft werden in jüngster Zeit landauf landab in den Raum geworfen, auch der DJV forderte kürzlich den Schutzstatus der Wolfspopulation „neu zu bewerten“.

Schulze zeigt, dass es auch anders geht – fachlich, sachlich und mit einem nüchternen Blick auf die Fakten. Lesen Sie hier den Artikel in der Volksstimme.

Presseschau: Chihuahua in Hornbostel wurde nicht von Wölfen gerissen

Der Wolf bleibt ein heikles Thema. Im schwierigen Spagat zwischen Befürwortern und Gegnern, zwischen Erholungssuchenden, Jägern und Nutztierhalten, schickt es sich an einen kühlen Kopf zu bewahren und Vorfälle nüchtern – sowie vor allem objektiv – zu betrachten.

Einen klaren Fall wie man es nicht macht, zeigt die „Bild“ und erneut die Zeitschrift „Jäger“, die für ihre hirnrissigen Hetzkampagnen gegenüber Wölfen bereits bekannt ist. In Hornbostel wurde der Chihuahua eines Spaziergängers von drei großen wolfsähnlichen Hunden verschleppt und getötet. Obwohl bekannt war, dass sich in der Nähe auch eine Zuchtstätte von Wolfshunden befindet und eine finale Untersuchung noch ausstand, war sich die Presse bereits einig:

Hetzerische Schlagzeile, die keinen Zweifel an der Überführung des Täters lässt, ein Bild des traurigen Herrchens sowie ein zähnefletschender Wolf - Fertig ist die Hetzkampagne

„Journalismus“ der Bildzeitung: Hetzerische Schlagzeile, die keinen Zweifel an der Überführung des Täters lässt, ein Bild des traurigen Herrchens sowie ein zähnefletschender Wolf – Fertig ist die Hetzkampagne. (Verpixelung durch den ÖJV)

Auch der „Jäger“ lässt ohne Zweifel verkünden:

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Ohne Frage, der Wolf ist ein Raubtier und wird gelegentlich Nutztiere reissen. Der Mensch muss das Zusammenleben mit dem neuen Nachbarn erst wieder erlernen und sich anpassen. Zweifellos werden dafür auch Managementpläne benötigt, wobei sich viele Bundesländer noch überfordert sehen. Viele Jagdverbände nutzen darum die öffentliche Aufregung in den Medien über vermeintliche Risse aus und fordern Abschussfreigaben, wie jüngst der LJV Brandenburg.

Jedoch, die DNA-Analyse zeigte: es war kein Wolf. So berichtete gestern die Cellesche Zeitung. Ob das Untersuchungsergebnis jedoch ebenfalls auf den Titelseiten der Bild und beim Jäger erscheint, darf stark bezweifelt werden. Hornbostel ist kein Einzelfall. Erst kürzlich stand der Wolf in Verdacht ein Fohlen bei Bispingen gerissen zu haben. Die DNA-Analyse zeigte später: Es war kein Wolf.

Einer sachlichen Diskussion über den Umgang mit dem Raubtier kommt man so jedenfalls nicht näher.


Update (17. August): Das Magazin „Jäger“ hat das Ergebnis der DNA-Analyse doch aufgegriffen und berichtet davon auf der Homepage. Wollte man zuerst nichts von einer Unschuldsvermutung wissen, besinnt man sich jetzt doch darauf, Konjuntive zu verwenden. Oder wie soll man sonst diese Schlagzeile interpretieren:

Ein zähnefletschender Wolf, viele Fragezeichen und Konjunktive. Diesmal allerdings geht es um die DNA-Analyse, die den Wolf als Schuldigen ausschließt.

Wir lernen: ist irgendwo ein Tier gerissen worden, wird es dem Wolf in die Schuhe geschoben. Widerlegt die DNA-Analyse diese Hypothese, zweifeln wir das Ergebnis an. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, das ist eine schmutzige Hetzkampagne.

Erneut illegal geschossener Wolf gefunden

Am Sonntag, den 26.07.2015 wurde nahe der Autobahn A4 in der Gemeine Vierkirchen (Landkreis Görlitz) ein junger männlicher Wolf tot aufgefunden. Der vorläufige Untersuchungsbefund des Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin bestätigt eine illegale Tötung.

Seit 2009 wurden damit in Sachsen 7 illegal getötete Wölfe gefunden. Die Tat reiht sich ein in eine aktuelle traurige Serie von Raubtiertötungen in Deutschland. Erst vor kurzem wurden illegal Luchse im Bayerischen Wald getötet. Der ÖJV Sachsen verurteilt diese Taten und setzt auf ein Miteinander zwischen Wolf, Luchs, und Menschen.

Weiterführende Links:

Mehr Mittel für Prävention gegen Wolfsschäden

Bereits im Februar hatte der Freistaat Sachsen das Gebiet, in dem Schutzmaßnahmen für Nutztiere gegen Wolfsübergriffe mit staatlichen Hilfen gefördert werden, auf die gesamte Landesfläche ausgedehnt. Jetzt steigt die staatliche Förderquote von 60 auf 80%. Die zusätzlichen 20% werden von der Heinz-Sielmann-Stiftung übernommen.

Mehr Informationen über Hintergrund und Förderanträge:

In Thüringen besinnt man sich zum Schutze von Tierherden gegenüber Wölfen derweil wieder auf alte Tradionen und treibt die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden an.

Presseschau: Wochenrückblick (14 Tage)

  • Wird die Jagd in einem Waldrevier für Geld verpachtet, stehen sich die Ziele von Jagdpächter und Forstwirtschaft oft entgegen. Zwar ist es allgemeiner Konsens, dass Jagd eine waldbauliche Dienstleistung anstelle eines Edelhobbys darstellt, dennoch wird überwiegend Geld dafür verlangt. In Mönchweiler brachten die hohen Wildschäden in Folge einer solchen Konstellation nun den Gemeinderat zum Umdenken – dort wurden die entgeltlichen Pirschbezirke aufgehoben und ausschließlich unentgeltliche Begehungsscheine ausgegeben.
    Link: Südkurier
  • In Brandenburg wurde erneut ein Wolf getötet und anschließend der Kopf abgetrennt. Es ist der dritte getötete Wolf in den letzten acht Monaten in Brandenburg, deutschlandweit der siebte seit anderthalb Jahren.
    Link: woelfeindeutschland.de | Der Tagesspiegel
  • Christian Kirch, Vorsitzender des ÖJV Landesverbandes Badem-Württemberg äußert sich zum neuen Jagdgesetz.
    Link: im SWR2 Radio (40. Minuten) und im SWR Fernsehen (4 Minuten)

Das Märchen von objektiver Berichterstattung in der Zeitschrift ‚Jäger‘ zum Thema Wolf

Eine Hundebesitzerin in Niedersachsen bei Münster begegnet während ihres Spazierganges im Wald einem Rudel Wölfe. Die Jungen scheinen an ihren Hunden interessiert und flüchten nicht. Die Frau ist verängstigt und tritt ihrerseits den Rückzug an, erleidet daheim einen Zusammenbruch und verständigt den Notarzt. Tage später berichtet die Zeitschrift ‚Jäger‘ über diesen Vorfall. Während sich der Chefredakteur Lucas von Bothmer auf das Protokoll des Wolfsbeauftragten und ‚objektive Berichterstattung‘ beruft, geben sowohl der Verfasser des Protokolls als auch die betroffene Frau gegenüber dem NDR an, dass die Interpretation der Zeitschrift an der Realität vorbei gehe und Panikmache betreibe.

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In der Tat tauchen die reisserischen Textstellen der Zeitschrift im Protokoll überhaupt nicht auf. Auch in der Vergangenheit hat sich die Zeitschrift ‚Jäger‘ bereits einen Ruf im Umgang mit dem Thema Wolf erarbeitet. Es sei an die Schlagzeile erinnert, als ein Bundespolizist an der deutsch-polnischen Grenze einen LKW stoppte, auf dessen Ladefläche sich mehrere Wölfe und Luchse befunden hätten. Nachfragen bei der Polizeidirektion ergaben später, dass es einen solchen Vorfall nie gab. Es wurde zwar in der Tat auf einem LKW ein ‚Steppenwolf‘ sicher gestellt – dabei handelt es sich allerdings um eine Fahrradmarke.

Link zum aktuellen Beitrag über die Begegnung mit dem Wolf im NDR
Link zum ‚Steppenwolf‘ von Januar 2014