Baden-Württemberg: Chancen auf Schalldämpfer steigen

Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung habe der Innenminister in einem Schreiben die Landratsämter darüber informiert, dass Schalldämpfer auf Jagdgewehren „keine negativen Begleiterscheinungen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ mit sich bringen.

Update 12.02.2016: Der ÖJV Baden-Württemberg hat die Details über den Erlass des Ministeriums veröffentlicht. Hier die Kurzform:

  • Jedem Jäger wird ein persönliches Interesse aufgrund von drohenden gesundheitlichen Schäden durch Schießlärm bei der Jagd eingeräumt.
  • Eingeschränkt wird dieses Interesse aber dergestalt, dass durch den Jäger/Jägerin eine regelmäßige aktive Beteiligung am Jagdbetrieb nachzuweisen ist. Der Nachweis wird erbracht von jagdausübungsberechtigten Personen, die eine Eigenjagd besitzen oder eine Eigenjagd nutznießen, von Jagdpächtern sowie von angestellten oder beauftragten Jägerinnen und Jägern. Dieser Personenkreis muss einen Nachweis im Jagdschein eintragen lassen. Das gilt auch für sonstige Personen, für die neben einer Eintragung im Jagdschein auch eine Bescheinigung als jagdausübende Person genügt. Der Nachweis ist also durch EJ-Inhaber, Pächter von Jagdrevieren aller Art sowie durch Inhaber von Begehungsscheinen erfolgreich zu erbringen.
    Angestellte Berufsjäger, Mitarbeiter staatlicher, kommunaler oder privater Forstverwaltungen (inkl. FVA und Nationalpark) müssen einen Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen, dass sie regelmäßig im Jagdbetrieb mitwirken.
  • Der Schalldämpfer muss eine Mindestdämpfung des Spitzenschalldruckes von 20 dB (C) erreichen, was über Herstellerdatenblätter nachzuweisen ist.
  • Der Schalldämpfer muss so verwahrt werden wie eine Jagdwaffen und muss in die WBK eingetragen werden – die bisher für erforderlich gehaltene Ausgabe eines Waffenscheines entfällt.
  • Das Bedürfnis wird nur für schalenwildtaugliche Jagdlangwaffen gesehen, also von z.B. .222 Rem. aufwärts. Aus Sicht des ÖJV ist diese Entscheidung des Innenministeriums von Baden-Württemberg ein großer Fortschritt.

Baden-Württemberg ist damit das vierte Bundesland welches in weniger als einem Jahr die Nutzung des Schalldämpfers auf der Jagd nach Antrag generell genehmigt oder in diesem Falle zumindest sehr stark erleichtert hat. Wir hoffen darauf, dass sich dieser Trend in gleichem Tempo fortsetzt und weisen an dieser Stelle nochmals auf das Schalldämpferseminar am 19. März hin.

 

Das nächste Bundesland zieht nach: der Schalldämpfer kommt nach Rheinland Pfalz

Die Rheinland-Pfälzer Jäger werden sich freuen diese Nachricht zu hören, voraussgesetzt sie können es nach jahrelanger Lärmbelastung noch. Scherz beiseite: Wie der SWR berichtet, können Jäger dort nun allgemein den Schalldämpfer bei der Waffenbehörde beantragen.

Nach Bayern und Brandenburg ist es nun das dritte Bundesland, welches den allgemeinen Schalldämpfereinsatz auf der Jagd gestattet.

Jossgrund: Pressesprecherin kündigt Kurskorrektur an

Der BUND hatte Ende 2015 die Zustände im Forstamt Jossgrund (Hessenforst) angeprangert. Durch systematische Trophäenzucht seien dort 4000 ha Wald vollständig ökologisch und ökonomisch devastiert worden. Wir berichteten kürzlich.

Nun kündigt Pressesprecherin Petra Westphal eine Kurskorrektur an. Wie die MainPost gestern berichtete, bestätigte Westphal, dass die Wildschäden im Forstamt zu hoch seien, da die Trophäenjagd und damit verbundene hohe Wildbestände dort vor vielen Jahren einen hohen Stellenwert gehabt hätten. Der Kurswechsel werde mit dem gleichen Personal vollzogen, jedoch mit intensiver Begleitung durch übergeordnete Stellen.

Hans-Jürgen Bachmann, Leiter des betreffenden Forstamtes seit 25 Jahren, spricht derweil von „reißerisch-ideologischen“ Vorwürfen. Doch auch seine Bayerischen Kollegen meinen, dass an der hessischen Grenze ständig permanent jagdlich abgeschöpft werden müsste, um ein Überschwappen der hohen Rotwilddichten nach Bayern zu vermeiden.

 

Fernsehtipp: „Die Waldgrafen und der Sturm“

Der ein oder andere kennt vielleicht schon das Revier Massow der Hatzfeldt-Wildenburg`schen Verwaltung in Brandenburg. Ein Hort ökologischer Waldwirtschaft inmitten der Kiefernwüste. Wer es noch nicht kennt, erhält dieses Jahr auf der ANW-Frühjahresexkursion die Gelegenheit dazu, die wir ausdrücklich empfehlen wollen.

Einen Vorgeschmack dazu gibt es heute Abend 18:15 Uhr im SWR in der Sendung „made in Südwest“.

SWR

Drückjagdtermine Jagdjahr 2016/2017

Auch im kommenden Jagdjahr lädt der Forstbezirk Eibenstock zur Drückjagd ein. Zwei Jagdwochenenden (Drückjagd morgens und abends Ansitz) stehen auf dem Programm:

  • 11. und 12. November 2016
  • 13. und 14. Januar 2017

Voraussetzung für die Teilnahme ist ein gültiger Jagdschein und Schießnachweis. Der Einsatz geprüfter Stöber/Schweißhunde wird mit 20€ pro Einsatz und Hund entschädigt.

Anmeldungen an Veronika.Harnisch@smul.Sachsen.de (Tel.: 037752-552927)

Jagdkonzept bei Thüringenforst – Fazit Winterkolloquium 2016

Wer die Jagd nicht geklärt hat, muss sich dem Waldbau gar nicht erst zuwenden.

Volker Gebhardt fand am vergangenen Mittwoch deutliche Worte zur Jagd bei Thüringenforst, als er das neue Jagd- und Waldbaukonzept vorstellte. Auf Motivation und Engagement gelegte Schwerpunkte unterstreichen, dass die Jagd zunehmend als Dienstleistung am Ökosystem statt als Edelhobby einiger Privilegierter wahrgenommen und umgesetzt wird.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Volker Gebhardt, der TU Dresden für die Bereitstellung des Hörsaals, und auch den Organisatoren aus unseren eigenen Reihen herzlich bedanken. Der Saal war wieder einmal gut gefüllt und bunt gemischt. Rege Diskussionen im Foyer bei Kuchen und Getränken sorgten für einen gemütlichen Ausklang der gelungenen Veranstaltung. In diesem Sinne: bis zum nächsten Jahr!

 

Pressemitteilung zum ÖJV Winterkolloquium 2016

Am 20. Januar spricht der Vorstand von Thüringenforst über die Rolle der Jagd zum ÖJV-Winterkolloquium in Tharandt

In der Jägerprüfung muss jeder Jagdscheinaspirant sein Wissen innerhalb vieler komplexer Themenfelder, von der Ökologie der Wälder, der Biologie der Wildtiere, bis hin zum Waffenrecht, unter Beweis stellen. Viele Jäger sind darum zu Recht stolz darauf das sogenannte „Grüne Abitur“ abgelegt zu haben. Für viele liegt diese Prüfung aber schon sehr lange Zeit zurück. Die Natur während dessen unterliegt einem steten Wandel. Neue Arten wie der Wolf erobern die sächsischen Wälder, wo wiederum vermehrt Tannen und Buchen anstelle von Fichtenmonokulturen gepflanzt werden. Auch die Ansprüche an den Jäger als Sachverständigen der Natur unterliegen damit einem permanenten Wandel.

Der Ökologische Jagdverein Sachsen wurde 1999 gegründet und setzt sich für einen naturnahen Land- sowie Waldbau ein. Der Verein sieht in der stetigen Weiterbildung der Jägerschaft eine Grundlage um diese Ansprüche der Gesellschaft an eine nachhaltige und wildbiologisch sinnvolle Jagdausübung erfüllen zu können. Aus diesem Grund veranstaltet der Verein seit über 10 Jahren das Winterkolloquium, zu dem Experten verschiedener jagdlicher Themenfelder referieren und anschließend den Zuhörern Rede und Antwort stehen. Es hat sich unter Jägern, Studenten, und Naturinteressierten inzwischen zu einer festen und gut besuchten Veranstaltung im Jahr etabliert.

Dieses Jahr findet das Winterkolloquium am 20. Januar, 19:00 Uhr im Judeichbau (Pienner Straße 19, 01737 Tharandt), in der Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden, statt. Als Gastreferent spricht Volker Gebhardt, Vorstand von Thüringenforst, über „Die Rolle der Jagd im Forstbetrieb“. Traditionelle Hege von starken Trophäen oder Dienstleistung für den Waldumbau? Seien Sie gespannt.

Der Eintritt ist frei, alle Jäger und Naturinteressierten sind herzlich willkommen. Für einen kleinen Imbiss im Anschluss wird gesorgt.

Hessen: Rotwildskandal im Spessart

Bereits Ende letzten Jahres veröffentlichte der BUND Naturschutz einen Bericht über die Zustände des Waldes im hessischen Forstamt Jossgrund. Der Vorwurf: die jagdlichen Interessen der Forstbeamten hätten oberste Priorität, der Zustand des Waldes sei dabei zu einer Nebensächlichkeit verkommen und verschlechtere sich zunehmend.

Die folgenden Bildergalerien, alle Aufnahmen mit GPS unterlegt, bestätigen den desolaten Zustand des Waldes. Es werden extremste Verbiss- und Schälschäden gezeigt, die ihresgleichen suchen:

hessen

Dabei sollte man sich keiner Illusion hergeben, denn so extrem sie auf den ersten Blick erscheinen, diese Aufnahmen sind deutschlandweit keine Einzelfälle.
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Link zur Homepage Spessart-Wald.de

 

Der ÖJV wünscht fröhliche Weihnachten

Im vergangenen Jahr hatten wir Horst Stern und dessen bemerkenswerten Film „Bemerkungen über den Rothisch“ vorgestellt. Einerseits weil dieser Film genau zum Heiligabend, noch dazu zur besten Sendezeit, ausgestrahlt wurde. Man stelle sich das nur heute einmal vor: investigativ kritisches und nachdenkliches Fernsehen zur Primetime im Ersten. Zum anderen, weil die Diskussion über die Bejagung des Rotwildes in Sachsen gerade dabei war sich ordentlich aufzuschaukeln.

Momentan scheint sich die Lage zu entspannen. Ein Forschungsprojekt wurde angestoßen. CDU und Grüne haben sich deutlich für die Notwendigkeit des Waldumbaus und der Reduktion der Wildbestände auf waldverträgliche Dichten ausgesprochen. Das aktuelle Verbiss- und Schälgutachten zeigt, dass dafür in vielen Teilen Sachsens noch ein weiter Weg zu gehen ist.

Die Aktivitäten Horst Sterns beschränkten sich aber nicht nur auf die Jagd. Er zeigte frontal die Zustände bei der Massentierhaltung, verdeutlichte die Folgen von Massentourismus in sensiblen Ökosystemen und rückte zu unrecht unbeliebte achtbeinige Tiere ins rechte Licht. Würde man seine Filme heute erneut zeigen, man würde ihr Alter nur am Bildformat erkennen. An Aktualität haben sie nichts verloren.

Jahrzehnte später spricht er als Zeitzeuge über sein Leben, seine filmischen Werke und die Wirkung seiner Arbeit. Dieses Video möchten wir Ihnen heute empfehlen. Der ÖJV Sachsen wünscht Ihnen fröhliche Weihnachten und ein gesundes neues Jahr.