Wolf für steigende Wildschäden verantwortlich?

Die Schuld sucht man bekanntlich am besten zuerst bei anderen. So meldete der LJV Brandenburg jüngst, dass der Wolf für die steigenden Wildschäden in der Annaburger Heide verantwortlich ist. Man bemüht sich dabei nicht einmal um einen vermutenden Konjunktiv, die Schuldfrage ist für die hiesigen Jäger bereits klar geregelt.

Der Verband führt aus, dass das Kahlwild des Rotwildes seit der Anwesenheit des Wolfes Großrudel von bis zu 120 Stücken bildete, die bereits tagsüber auf die Felder austräten und dort binnen weniger Stunden riesige Schäden anrichten würden.

Dabei haben Wildbiologen den Mythos um die sogenannten „Angstrudel“ längst ausgeräumt. Die Rudelgröße hängt dabei in erster Linie mit der Nahrungsverfügbarkeit zusammen. Auf großen Freiflächen und offenen Habitaten können sich durchaus ohne vermeintliches Mitwirken des Wolfes solche Rudelstärken bilden. Im dichten und nahrungsärmeren Wald verlieren diese sich dann wieder aus den Augen und lösen sich auf.

Ein zweiter Aspekt ist die vorhandene Wilddichte. Es müssen erst einmal 120 Stück Kahlwild vorhanden sein, um ein solches Rudel bilden zu können. Dem Text nach handelt es sich auch nicht um das Einzige seiner Art. Ein solch großes Streifgebiet, das Gebiet der Hegegemeinschaft Annaburger Heide verfügt über 44.000 Hektar, scheint ja zudem extrem unwahrscheinlich. Telemetriestudien an Rotwild in Wolfsgebieten zeigen darüber hinaus, dass sich die Streifgebiete bei der Anwesenheit des Wolfes eben nicht verändern.

Ist diese Meldung dann nicht eher eine Offenbarung, dass unabhängig von der Anwesenheit des Wolfes eine überhöhte Wilddichte vorlag und vorliegt, die zu diesen hohen Wildschäden führt? In diesem Zusammenhang muss man auch hinterfragen, ob 120 Stück Rotwild in einem Rudel unwesentlich mehr Schaden anrichten würden als 10 Rudel mit je 12 Stück Rotwild.

Ohne Frage, der Wolf mischt neuerdings bei der Jagd mit und wir müssen uns alle darauf einstellen. Für den ein oder anderen sind diese Umstellungen und die Aufgabe alter Gewohnheiten sicher traurig. Den gestiegenen Wildschaden mit dem Wolf erklären zu wollen ist jedoch eine Farce. Es diskreditiert die Jägerschaft als Sachverständige der Natur selbst. Vielleicht sollte man die Ursache eher bei den jüngst nicht erfüllten Abschussplänen in der Hegegemeinschaft suchen.

___

Update (3. September): Der ÖJV Brandenburg bezieht Stellung zum Thema

2 Gedanken zu „Wolf für steigende Wildschäden verantwortlich?

  1. sorry

    ich hab mich abgemeldet

    Der Artikel ist so einseitige Stimmungsmache das es schon wehtut.

    und diesen Woitschkowski als “Wildbiologen! zu bezeichne ist ja schon grob fahrlässig….

    Aber der kann ja auch schreiben das der Amtstierarzt eindeutig auf den ersten Blick eine Schußwunde als Jagdwaffenschuß erkennen kann.

    ne danke ich dachte ihr währt um neutralität bemüht …stattdessen schreibt ihr nur den Scheiß von diesem Typ ab.

    gruß Heinz Luzius

  2. Ähnlich perfide folgender Artikel, indem die Kausalkette ebenso simpel und nahezu lächerlich gestrickt ist.

    http://www.jagderleben.de/tragende-faerse-fiel-woelfen-zum-opfer

    Wölfe dezimieren Wildbestand drastisch -> Nahrungsgrundlage fehlt -> Ausweichen auf Nutztiere

    Studien aus Italien haben gezeigt, dass es tatsächlich Rudel gibt, die sich ganz unabhängig von der Wilddichte in erster Linie auf Rinder spezialisieren. Dies ist derzeit südlich von Südtirol der Fall, im Parco naturale della Lessinia.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.