Presseschau: „Pumpak“, Bayerischer Wald

Die Berichterstattung um den bei Görlitz zur Entnahme freigegebenen Wolf kommt nicht zur Ruhe und bewegt sich inzwischen auf bundesweitem Niveau:

Die in den Berichten erwähnte Petition zum Erhalt des Wolfsrüden verzeichnet inzwischen mehr als 75.000 Zeichner. Dieser Wert allein ist ein Indikator für das hoch emotional geladene Level, auf dem die Debatte derzeit geführt wird.

Entsprechend bemängelt Ulrich Wotschikowsky, der sich sonst allgemein gegen langwierige Fang- und Vergrämungsmaßnahmen ausspricht, dass Landratsamt und Ministerium in dieser Angelegenheit zuvor die Expertise des Büro Lupus  und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hätten einholen sollen. Beide Einrichtungen befinden sich noch dazu unmittelbar im selben Landkreis. Den Lesenswerten Kommentar des Wolfsexperten finden sie hier: www.woelfeindeutschland.de.

Zum Abschluss noch eine erfreulichere Nachricht: Der Wolf wurde im Bayerischen Wald bestätigt.

Resümee Winterkolloquium 2017

Am vergangenen Montag fand nun zum bereits 18. mal das Winterkolloquium das ÖJV Sachsen statt. Inzwischen kann man also von einer gewissen Tradition sprechen. Insbesondere freuten wir uns über das bunte Auditorium aus Jägern, Studenten, Wissenschaftlern und Jagdgenossen.

Der Saal war prächtig gefüllt und erhallte zum Vortrag unseres Referenten Michael Duhr, der uns den Weg zur Jagdgenossenschaft aufzeigte, die Interessen der Jäger, Landeigentümer und Naturschützer unter einem Hut vereint. Wir möchten, dass dieses Beispiel Schule macht und rufen uns darum noch einmal kurz die Eckpunkte ins Gedächtnis:

  • Miteinander reden und gemeinsame Ziele definieren,
  • die Zielerreichung jährlich zusammen im Revier anschauen,
  • sowie Ortsnähe statt maximalem Pachtpreis.

Das glückliche Miteinander funktioniert am besten, wenn Verpächter und Pächter die gleichen Interessen verfolgen. Sind Konflikte unlösbar, sollte mit einem objektiven Wildschadensmonitoring ein klares Instrument zur Feststellung des Zustandes im Revier zur Verfügung stehen. Spätestens dann müssen Behörden ihre Aufgaben wahrnehmen und für Recht und Gesetz eintreten.

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Wir danken unserem Referenten, der Fachrichtung für die Räumlichkeiten und IT-Betreuung, sowie allen Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen. Bis zum nächsten Jahr!

Die Veranstaltung wurde aus Mitteln der Jagdabgabe gefördert.

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Links

Presseschau: Problemwölfe in Görlitz und Rathenow, Fangschuss und Notstand, Wölfe in der Schweiz

Die heutige Presseschau steht ganz im Zeichen des Wolfes:

  • Mit Zunahme der Population steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Jäger zu angefahrenen und schwer verletzten Wölfen gerufen werden oder ein Jagdhund mit einem Wolf aneinandergerät. Dietrich Meyer-Ravenstein hat diese Fälle rechtlich unter die Lupe genommen und gibt Hinweise zum korrekten Verhalten auf der Seite des LJV Rheinland-Pfalz.
  • Der Landkreis Görlitz und das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft haben diese Woche beschlossen, dass ein zweijähriger Wolfsrüde aus dem Ruszow-Rudel entnommen werden soll. Der Wolf war mehrfach in der Nähe von Siedlungen aufgetaucht und zeigte keine Scheu vor Menschen. Es ist bekannt, dass er als Welpe von Menschen angefüttert wurde.
  • Der NABU kritisiert die Entscheidung des Ministeriums, den Wolf aus dem Ruszow-Rudel zu entnehmen. Nach Einschätzung des Naturschutzverbandes würden die Möglichkeiten der Besenderung und Vergrämung nicht in Erwägung gezogen. Zu diesen Möglichkeiten widerspricht Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky in einem ähnlichen Falle nahe Rathenow. Nach seiner Überzeugung sollte auf umständliche Vergrämungsversuche mit Einfangen und Besendern verzichtet werden, da sie in der Mehrheit der Fälle fehlschlagen.
  • Die Schweiz erlebt derzeit eine ähnliche Entwicklung wie der Freistaat Sachsen: der Wolf kehrt zurück, gleichzeitig flammen Konflikte mit Nutztierhaltern auf. Die Dokumentation „Die vielen Wölfe in der Schweiz“ zeigte 2012 mit Eindrucksvollen Bilden die Situation vor Ort und versucht zwischen den Standpunkten der Bauern und Jägerschaften sowie des Artenschutzes zu vermitteln. Die Sendung wird morgen 20:15 auf 3sat wiederholt und ist anschließend über die Mediathek einsehbar.

Schweizer Schutzwald durch Wolf gesünder

Diesen Zusammenhang haben die Schweizer im Rahmen der Verbissgutachten festgestellt. Insbesondere die Weißtanne (‚Wiisdanne‘) verjüngt sich bei Anwesenheit des Wolfes deutlich besser. Zugegeben, wir haben nicht alles genau verstanden, sehenswert ist der Beitrag im Schweizer Fernsehen dennoch.

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Link: Wolf hilft dem Wald (SRF)

Radioaktive Wölfe (3sat)

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl verstrahlte 1986 fast die Hälfte Europas mit radioaktivem Fallout. Das am stärksten betroffene Umland wurde evakuiert, Land- und Forstwirtschaft auf mehr als 6.000 Quadratkilometer Fläche mussten aufgegeben werden. Die gesundheitlichen Spätfolgen und Schutzmaßnahmen dauern bis heute an.

Rund 3.000 Quadratkilometer „verbotene Zone“ dürfen nach wie vor nicht betreten werden – für Menschen. Die Katastrophe war damit gleichzeitig der Startschuss für ein unbeabsichtigtes ökologisches Experiment. Die einst gerodeten Flächen bewaldeten sich wieder. Verschiedene Tierarten wie Bisons, Luchse und Wölfe kehrten zurück und schienen paradoxerweise ideale Lebensbedingungen vorzufinden. Überwiegt die Abwesenheit des Menschen also gegenüber der stets noch anhaltenden radioaktiven Verseuchung?

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Die wissenschaftlichen Analysen der Populationen wurden 25 Jahre nach der Katastrophe erstmals durch ein Filmteam begleitet. Dabei entstand die Dokumentation „Radioaktive Wölfe“, die mit dem Preis des Jackson Hole Wildlife Film Festival ausgezeichnet wurde.

Die Dokumentation ist aktuell in der Mediathek bei 3sat einsehbar.

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Link zur Mediathek: Radioaktive Wölfe 

Erinnerung: Nächste Woche ist Winterkolloquium

Konflikte entstehen, wenn unterschiedliche Zielstellungen jagdlicher Akteure aufeinander treffen. Zur Lösung dieser bedarf es integrativer Konzepte, die Ansprüche aller Beteiligten berücksichtigen. Starre Haltungen führen zu Stillstand. Aus diesem Grund findet seit nunmehr 15 Jahren das Winterkolloquium statt, um auf Veränderungen aufmerksam zu machen und verschiedene Akteure zu Wort kommen zu lassen.

Die Jagd aus der Perspektive des Jägers ist uns allen aus eigener Erfahrung geläufig. Letztes Jahr wurde sie uns aus Sicht einer großen Forstverwaltung erläutert. Dieses Jahr kommen die Bauern und Waldbesitzer zu Wort. Referent Michael Duhr spricht als Vorstand einer Jagdgenossenschaft über die Organisation der Jagd in Brandenburg, die Zusammenarbeit mit Jagdpächtern, damit verbundene Ziele, Konfliktfelder und deren Lösungsansätze.

Wir laden Sie herzlich dazu ein: am Montag, den 23. Januar 19:00 Uhr im Judeich-Bau der Fachrichtung Forstwissenschaften in Tharandt. Die Veranstaltung ist frei. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Jagd auf dem Prüfstand (SWR)

Der SWR widmete am vergangenen Dienstag  eine Stunde Sendezeit den aktuellen Entwicklungen auf der Jagd in Deutschland. Neben den Regularien des Jagdscheines werden das Revierjagdsystem und die Folgen überhöhter Wildbestände thematisiert. Viele Szenenschnipsel könnten Ihnen bereits aus vergangenen Sendungen bekannt vorkommen. Diese werden nun durch die Moderatoren mit dem Experten Prof. Rainer Wagelaar der Hochschule Rottenburg analysiert und diskutiert.

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Dabei wird auch ein Blick über den Tellerrand hinaus nach Genf geworfen. Dort wurde die ‚Hobbyjagd‘ seit nunmehr 40 Jahren abgeschafft. Dass dort gar nicht mehr gejagt wird, wie man es häufig zu hören bekommt, ist hingegen falsch. Die Jagd übernehmen technikaffine staatliche Ranger mit bildsendenden Wildkameras, Nachtsicht- und Wärmebildtechnik. Was in Deutschland wohl noch häufig mit einem Aufschrei aufgrund missachteter Weidgerechtigkeit quittiert werden würde, hat man dort ganz offiziell als tierschutzgerechte, störungsarme und effiziente Jagdmethode deklariert.

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Link: SWR – Jagd auf dem Prüfstand (Sendung vom 10.01.2017)

Lesetipp: ‚Rehe mit Raum‘ von Frank Christian Heute

Frank Christian Heute analysiert die Folgen der traditionellen Hegejagd auf Rehwild für das Ökosystem, den Straßenverkehr und die heimische Gefriertruhe. Sein Fazit: diese Form der Jagd hat längst ausgedient. Er schlägt eine neue Strategie vor stellt sie der traditionellen Jagd gegenüber. Mit dabei sind zahlreiche Tipps für die Praxis sowie ein nach Aktivitätsphasen gegliederter Jagdkalender.

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Links:

Rehe mit Raum I – Angepasste Rehwildbestände
Rehe mit Raum II – Warum konsequente Rehbejagung nachhaltig ist

Weitere Informationen über den Autor und viele weitere Artikel finden sie auf http://www.wildoekologie-heute.de/

Winterkolloquium 2017: Michael Duhr spricht über zeitgemäßes Management in Jagdgenossenschaften

Der Winter kündigt sich bereits an und es wird langsam weihnachtlich. Hektisches Treiben diktiert den Jahresabschluss, bevor wir uns alle hoffentlich zu einem besinnlichen Jahreswechsel zurückziehen können. Zuvor wollen wir Ihnen jedoch noch bevorstehende Ereignisse verkünden: Das Winterkolloquium 2017 findet am Montag, den 23. Januar statt. Wie üblich im Judeich-Bau der hiesigen Forstfakultät in Tharandt.

Als Referenten dürfen wir Ihnen dieses Jahr Michael Duhr präsentieren. Der studierte und weit gereiste Förster (Jahrgang ’64) arbeitet nach diversen Zwischenstationen, angefangen beim WWF bis hin zur Leitung einer Oberförsterei, inzwischen beim Brandenburgischen Landwirtschaftsministerium. Er ist Mitglied im Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik und Herausgeber der Konvention zur Wildschadensbewertung des Deutschen Forstwirtschaftsrates.

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Und wenn Ihnen das noch nicht genug gute Gründe sind zum Vortrag zu kommen: er ist außerdem Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Garlitz-Buckow. In dieser Funktion wird er über zeitgemäßes Jagdmanagement in Jagdgenossenschaften sprechen.

Wie immer ist der Eintritt frei und es wird für das leibliche Wohl gesorgt werden. Also gleich vormerken und weitersagen.

Änderung des Bundesjagdgesetzes (Halbautomat) tritt morgen in Kraft

Die Novelle des Bundesjagdgesetzes in Sachen Halbautomat erscheint heute im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 52 und wird morgen in Kraft treten. Das Führen von halbautomatischen Gewehren ist damit wieder rechtlich abgesichert. Auch dürfen mit Halbautomaten zukünftig Magazine genutzt werden, die mehr als 2 Schuss fassen, solange die Waffe in Summe mit nicht mehr als 3 Patronen geladen ist.

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Links:
Bundesgesetzblatt
Hintergrund