Novelle Bundesjagdgesetz (Halbautomat) passiert den Bundesrat

Der Halbautomat geht nicht in den Vermittlungsausschuss. Gestern stimmte der Bundesrat der kleinen Novelle des Bundesjagdgesetzes zu. Damit tritt die Änderung mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Der Termin der nächsten Ausgabe steht jedoch noch nicht fest. Da in der Regel mehrere Ausgaben pro Monat erfolgen, sollte dem Einsatz auf der herbstlichen Drückjagd bald nichts mehr im Wege sehen.

___

Mehr Informationen: Outfox World | Jawina

Der Halbautomat sollte zur Drückjagd vorerst noch im Schrank bleiben

Zwar hat der Bundestag bereits am 8. Juli eine Änderung des Bundesjagdgesetzes beschlossen, um zukünftig wieder Rechtssicherheit in Sachen Halbautomaten herzustellen (wir berichteten).

Das SMUL rät jedoch aktuell vom Erwerb, Führen oder dem Überlassen der betroffenen Selbstladebüchsen mit Wechselmagazin ab. Hintergrund ist, dass Bundesgesetze auf dem Gebiet des Jagdwesens frühestens 6 Monate nach ihrer Verkündung in Kraft treten, soweit nicht mit Zustimmung des Bundesrates anderes bestimmt ist. Der Bundesrat kommt erst Ende September in dieser Angelegenheit zusammen. Bis dahin sollte auf den Stöberjagden in den Verwaltungsjagdbezirken beim Staatsbetrieb Sachsenforst der Halbautomat im Waffenschrank verweilen.

Die Situation ist nicht überall einheitlich. So hat man in Bayern mit einer Übergangsregelung den Halbautomaten bereits seit 30. Juli wieder rehabilitiert.

___

Update (23.09.2016): Die Novelle hat auch den Bundesrat passiert. Damit tritt die Änderung nun mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft.

Wolf für steigende Wildschäden verantwortlich?

Die Schuld sucht man bekanntlich am besten zuerst bei anderen. So meldete der LJV Brandenburg jüngst, dass der Wolf für die steigenden Wildschäden in der Annaburger Heide verantwortlich ist. Man bemüht sich dabei nicht einmal um einen vermutenden Konjunktiv, die Schuldfrage ist für die hiesigen Jäger bereits klar geregelt.

Der Verband führt aus, dass das Kahlwild des Rotwildes seit der Anwesenheit des Wolfes Großrudel von bis zu 120 Stücken bildete, die bereits tagsüber auf die Felder austräten und dort binnen weniger Stunden riesige Schäden anrichten würden.

Dabei haben Wildbiologen den Mythos um die sogenannten „Angstrudel“ längst ausgeräumt. Die Rudelgröße hängt dabei in erster Linie mit der Nahrungsverfügbarkeit zusammen. Auf großen Freiflächen und offenen Habitaten können sich durchaus ohne vermeintliches Mitwirken des Wolfes solche Rudelstärken bilden. Im dichten und nahrungsärmeren Wald verlieren diese sich dann wieder aus den Augen und lösen sich auf.

Ein zweiter Aspekt ist die vorhandene Wilddichte. Es müssen erst einmal 120 Stück Kahlwild vorhanden sein, um ein solches Rudel bilden zu können. Dem Text nach handelt es sich auch nicht um das Einzige seiner Art. Ein solch großes Streifgebiet, das Gebiet der Hegegemeinschaft Annaburger Heide verfügt über 44.000 Hektar, scheint ja zudem extrem unwahrscheinlich. Telemetriestudien an Rotwild in Wolfsgebieten zeigen darüber hinaus, dass sich die Streifgebiete bei der Anwesenheit des Wolfes eben nicht verändern.

Ist diese Meldung dann nicht eher eine Offenbarung, dass unabhängig von der Anwesenheit des Wolfes eine überhöhte Wilddichte vorlag und vorliegt, die zu diesen hohen Wildschäden führt? In diesem Zusammenhang muss man auch hinterfragen, ob 120 Stück Rotwild in einem Rudel unwesentlich mehr Schaden anrichten würden als 10 Rudel mit je 12 Stück Rotwild.

Ohne Frage, der Wolf mischt neuerdings bei der Jagd mit und wir müssen uns alle darauf einstellen. Für den ein oder anderen sind diese Umstellungen und die Aufgabe alter Gewohnheiten sicher traurig. Den gestiegenen Wildschaden mit dem Wolf erklären zu wollen ist jedoch eine Farce. Es diskreditiert die Jägerschaft als Sachverständige der Natur selbst. Vielleicht sollte man die Ursache eher bei den jüngst nicht erfüllten Abschussplänen in der Hegegemeinschaft suchen.

___

Update (3. September): Der ÖJV Brandenburg bezieht Stellung zum Thema

Qualifizierter Schießnachweis zum Herbstschießen am 3. September

Strukturreiche Bestände und verstärkte wildbiologisch orientierte Jagdruhephasen werden in Zukunft den jagdlichen Schwerpunkt vom passiven Einzelansitz auf aktive Drückjagdperioden lenken. Bewegtes und verhoffendes Wild stellt an jeden Jäger höhere Ansprüche als der bisher aufgelegte oder angestrichene Schuss. Der Tierschutz auf der Jagd steht und fällt mit unseren Schießfertigkeiten.

Vor diesem Hintergrund sieht ein aktueller Entwurf zur Novelle des Bundesjagdgesetzes die Erlangung eines Schießnachweises zur Teilnahme auf allen Gesellschaftsjagden vor. Bisher war diese Praxis meist nur in den Verwaltungsjagden verbreitet.

Leser der Ökojagd wissen, dass der ÖJV in diesem Thema bereits einen Schritt weiter gegangen ist. In Bayern und Brandenburg wurden erste Durchführungen eines qualifizierten Schießnachweises durchgeführt. Dazu muss man nicht mehr nur auf dem Schießstand vorstellig werden, sondern auch einen entsprechendem Umgang mit der Büchse demonstrieren können. Damit soll kein falscher sportlicher Ehrgeiz geweckt werden. Vielmehr geht es darum, sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden, seine Grenzen zu erkennen und sich weiter zu entwickeln. In einigen Stöberhundgruppen ist dies bereits seit längerer Zeit anerkannte Praxis, um sowohl Effizienz als auch Tierschutz auf der Drückjagd sicher zu stellen.

Wir möchten dieser Praxis folgen und zum Herbstschießen am 3. September optional die Ablage eines qualifizierten Schießnachweises anbieten. Wir werden uns dazu an den Vorlagen aus Bayern orientieren.

Wenn Sie sich noch nicht angemeldet haben, holen Sie dies am besten gleich nach und nutzen dazu folgendes Formular: Formular zur Anmeldung Herbstschießen.

Bundestag beschließt Änderung des Bundesjagdgesetzes in Sachen Halbautomaten

Der Bundestag hat am 8. Juli eine Änderung des Bundesjagdgesetzes in § 19 (sachliche Verbote) beschlossen. Verboten ist,

„auf Wild mit halbautomatischen oder automatischen Waffen, die mehr als zwei Patronen in das Magazin aufnehmen können, zu schießen.“

soll geändert werden in

„mit halbautomatischen Langwaffen, die mit insgesamt mehr als drei Patronen geladen sind, sowie mit automatischen Waffen auf Wild zu schießen.“

Nach neuem Wortlaut ist es damit unerheblich, ob mit einem entnehmbaren oder fest eingebautem Magazin gejagt wird. Auch ist die theoretische Ladekapazität irrelevant. Man dürfte also künftig auch mit einem größeren Magazin jagen gehen, solange in Summe nicht mehr als drei Schuss geladen werden.

Damit ist die versprochene Rechtssicherheit in Sachen Halbautomaten (fast) wieder hergestellt. Zunächst muss der Bundesrat dieser Änderung noch zustimmen. Die dafür notwendige Sitzung wurde jedoch erst Ende September anberaumt.

Eine geplante große Novelle des Bundesjagdgesetzes wurde hingegen kürzlich blockiert. Sie stellte eine Änderung zur Jägerprüfung sowie bleifreier Munition in Aussicht.

___

Link: Beschlussempfehlung und Bericht vom 06. Juli 2016

 

 

Programmhinweis: Sonntag 19. Juni, 18:00 Uhr, ZDF

Nein, keine WM EM – Frankreich gegen die Schweiz läuft erst ab 21:00 Uhr. Das ZDF bringt heute um 18:00 Uhr eine Dokumentation über den Wolf in Deutschland. Man hat Landwirte und Schäfer begleitet – der Programmtext klingt entsprechend negativ und kontrovers. Man darf gespannt sein.

Sonntag, 19. Juni, 18:00 Uhr im ZDF: „Der Wolf vor der Haustür“.

 

Landesjagdverband Schleswig-Holstein beklagt das Verbot des Schalldämpfers

Bereits seit 2013 dürfen Berufsjäger in Schleswig-Holstein Schalldämpfer für die Jagdausübung erwerben und verwenden. In Anbetracht der stetigen Zunahme von Bundesländern in denen der Schalldämpfer für alle Jäger allgemein auf Antrag genehmigt wird (Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Rheinland-Pfalz) erhofften sich auch die übrigen Jäger in Schleswig-Holstein eine ähnliche Entwicklung.

Wie die SHZ vor wenigen Tagen meldete, kommt das Schleswig-Holsteinische Innenministerium diesem Wunsch jedoch nicht nach. Der Sprecher des Ministeriums Patrick Tiede teilte mit: „Um die akustische Belastung zu verringern, können Jäger einen Gehörschutz tragen.“

Dabei übersieht Tiede jedoch den Fakt, dass der Mündungsknall einer großkalibrigen Jagdbüchse trotz  Gehörschutz nach wie vor im für das Gehör schädlichen Bereich liegt. Eine ausreichende Lärmminderung wird im Vergleich zum Schalldämpfer dadurch nicht erreicht. Zudem sind Gehörschützer in vielen Situationen unpraktikabel. Der Landesjagdverband möchte dies nicht weiter hinnehmen und kündigt Klagen an.

Link: „Warum das Land den Jägern Schalldämpfer verbietet“ – SHZ

 

Bundeslandwirtschaftsministerium stellt baldige Rechtssicherheit zum Halbautomaten in Aussicht

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Anfang März 2016 in einer Einzelfallentscheidung geurteilt, dass Jäger Halbautomaten mit wechselbarem Magazin nicht ohne besonderes Bedürfnis besitzen dürfen. Seitens der Jägerschaft stieß dieses Urteil auf allgemeine Verunsicherung.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium verspricht nun baldige Rechtssicherheit im Rahmen der anstehenden Novellierung des Bundesjagdgesetzes.
___

Link: Jawina.de

Zweifelhaftes Urteil zum Schalldämpfer vom Verwaltungsgericht Düsseldorf

Zwei Jäger, ein Förster sowie ein Berufsjäger, hatten vor dem Verwaltungsgericht auf Gewährung einer Ausnahmegenehmigung für die Nutzung des Schalldämpfers bei der Jagdausübung geklagt. Das Gericht lehnte dies nun ab.

Die Urteilsbegründung (VG Düsseldorf, 10.05.2016 – AZ 22 K 4721/14) ist derzeit noch nicht im Volltext verfügbar. Lokale Medien (RP Online) vermelden jedoch bereits, dass sich das Gericht auf die dem Schalldämpfer „ähnliche Wirkung von In-Ear-Gehörschutzern“ stütze und eine Gefahr von Schalldämpfern ausgehe, da diese gestohlen und kriminell eingesetzt werden könnten.

Damit würde das Gericht die aktuelle Sachlage massiv verkennen. Wir stellen hierzu fest:

  1. Die Lärmminderung von In-Ear-Gehörschutz ist erheblich geringer als die eines gebräuchlichen Schalldämpfers. Eine Reduktion des Mündungsknalls unterhalb des für das Gehör schädliche Level kann damit im Gegensatz zum Schalldämpfer nicht gewährleistet werden. Quelle: Link 1, Link 2
  2. Schalldämpfer werden wie Waffenteile eingeschätzt und müssen dementsprechend gleichfalls in einem Waffenschrank mit entsprechender Sicherheitsstufe verwahrt werden. Das Urteil deutet damit an, dass von Schalldämpfern eine höhere Gefahr für die Gesellschaft ausgehe als von der Waffe selbst. Diese Feststellung steht der aktuellen Einschätzung des BKA zum Schalldämpfer diametral entgegen. In anderen europäischen Ländern ist der Schalldämpfer sogar frei verkäuflich.